China-3: Kommunikation als Brücke zu anderen Kulturträgern-1

February 5, 2011 by · Leave a Comment
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Kommunikation als Brücke zu anderen Kulturträgern

1. „Sprache ist die Barriere zwischen Ausländern und Chinesen“

Da im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich ist, jeden einzelnen Fall der befragten Deutschen zu analysieren, werde ich nun aufgrund der Analyse des gesamten Datenmaterials die markantesten Probleme bzw. Einflussfaktoren der Kommunikation zwischen deutschen Expatriates und Chinesen aus der Sicht der Befragten darstellen und anschließend analysieren.

2. Überblick über die Fremdsprachenkenntnisse der Befragten

Die Mehrheit der befragten deutschen Expatriates nannte die sprachliche Barriere und nicht die Kulturunterschiede als die größte Hürde für die Kommunikation mit Chinesen. Dies läßt sich sehr wahrscheinlich dadurch erklären, weil über die Hälfte der befragten Deutschen in China überhaupt kein Chinesisch sprach, und nicht einmal ein Viertel der Befragten über Grundkenntnisse der chinesischen Sprache verfügte.

Zahlen zeigen, daß Chinesischkenntnisse für den Einsatz in China bisher nicht vorausgesetzt wurden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Fremdsprachenkenntnisse für die interkulturelle Wirtschafts-zusammenarbeit unwichtig sind, sondern es hat m.E. vor allem damit zu tun, dss über 50% der befragten deutschen Expatriates in 100prozentigen deutschen Tochterunternehmen oder deutschen Niederlassungen arbeiteten, deren chinesischen Mitarbeiter in der Regel entweder Englisch oder Deutsch sprechen können. Da nahezu alle deutschen Befragten sich zur Bedeutung der Sprache bzw. Sprachkenntnisse äußerten, werde ich demnächst aufgrund der Analyse des gesamten Datenmaterials die Frage zur Bedeutung der Sprache und Sprachkenntnisse in der Kommunikationsproblematik zwischen deutschen Expatriates und Chinesen beantworten.

3. Bedeutung der Sprache und Sprachkenntnisse

Um die Antwort für die obige Frage zu finden, glaube ich, zunächst die folgenden drei Fragen beantworten zu müssen:

1. Warum gab es so viele deutsche Expatriates, die die Sprache ihres Einsatzlandes nicht beherrschten?

2. Welche konkreten Probleme hatten die Nicht-Chinesisch-Sprecher in China?

3. Lohnt es sich für deutsche Expatriates, Chinesisch zu lernen? Wenn ja, wie und wie lange sollte man die Sprache lernen?

Zur Frage 1: „Warum gab es so viele deutsche Expatriates, die die Sprache ihres Einsatzlandes nicht beherrschten?“

In den Interviews wurden sowohl subjektive als auch objektive Gründe für das Nichtlernen der chinesischen Sprache gegeben. Die objektiven Gründe lauteten:

a) Man hätte keine Zeit dafür, die Sprache vor dem Einsatz in China zu lernen. In der Regel lägen bei den Befragten nur wenige Monate zwischen der Entscheidung über den Chinaeinsatz und der Einreise. In drei Fällen blieben sogar nur eine oder zwei Wochen Zeit für die Vorbereitung. In diesem Zeitraum mussten alle Formalitäten für den Auslandseinsatz erledigt und auch der Umzug organisiert werden. Es versteht sich von selbst, dass die meisten von ihnen es nicht schafften, die chinesische Sprache vor dem Einsatz zu lernen.

b) Es würde von der Seite der Firma in der Regel nicht angeboten, einen Sprachkurs zu besuchen. Es gab unter den Befragten insgesamt nur vier Fälle, bei denen die Befragten und ihre Partner (Ehefrau) vor dem

Einsatz zu einem mehrwöchigen Intensivkurs für Chinesisch geschickt wurden. Einem anderen Befragten wurde angeboten, einen dreiwöchigen Englischkurs in England zu besuchen.

c) Man hätte keine Energie mehr für das Lernen nach dem Feierabend.

Die befragten Deutschen meinten, sie hätten wenig Freizeit beim Chinaeinsatz, weil sie entweder unter Zeit- und Erfolgsdruck stünden oder ihre Arbeitsabläufe vom Stammhaus in Deutschland abhängig seien. Wegen der sieben Stunden Zeitverschiebung müssten sie praktisch immer nach Feierabend noch im Büro bleiben, wenn sie Informationen von deutschen Kollegen bekommen wollten. Von daher hätten sie auch kaum Zeit, die Sprache zu lernen.

Einige Befragte lehnten jedoch vor allem aus subjektiven Gründen das Lernen der Sprache ab. Sie glaubten, die chinesische Sprache sei einfach zu schwierig, man brauche „zu viele Jahre dafür“, und es lohne sich für einen Einsatz, der durchschnittlich drei Jahre dauert, nicht, weil man auch mit Englisch auskommen könne:

F: Sie haben den Eindruck, daß es nützlich ist, wenn man Chinesisch kann, wenn man hierher kommt?

A: Ja.

F: Also würden Sie dann jemandem raten, Chinesisch zu lernen, bevor er hierher kommt?

A: Dann würde er nie hierher gehen. Wenn man sagt, man will Chinesisch lernen, vorher, dann ist der Job nicht mehr da. Entweder man lernt es auf der Universität, oder man lernt es nebenbei irgendwie, oder gut, ich habe die Fähigkeit, leicht mal dahin zu gehen, nebenbei braucht man auch noch eine Fachausbildung für irgend etwas, daß man hierhin gehen kann. Nur Chinesisch können, ist zu wenig. Da kann man nicht viel mehr als Dolmetscher zu arbeiten und das ist zu teuer, da gibt es viel zu viele Chinesen, die mittlerweile Deutsch, Englisch oder sogar Französisch sprechen. Ich würde nicht empfehlen, vorher Chinesisch zu lernen, wenn man es kann, ist es sehr gut, aber ich würde es nicht empfehlen, es kostet zu viel Zeit, Sie brauchen zu viele Jahre dafür. Sie sollten sehr gut Englisch können.

Ein Gesprächsauszug aus einem anderen Interview:

F: Würden Sie sagen, daß man Chinesisch lernen sollte?

A: Also, für meine Position ist es nicht notwendig, es ist, wie ich vorher sagte, schön. Für das tägliche Leben sowieso. Auch für die Chinesen, gibt es dann eine gewisse Anerkennung, daß man ganz lange dort war. Man braucht halt auch einen gewissen Aufwand, um die Sprache zu beherrschen und da ist halt dann die Frage, ob sich das lohnt für einen dreijährigen Aufenthalt. Bei Englisch zum Beispiel, da sieht das anders aus, aber für Chinesisch, also, für mich jetzt als Person, habe ich es verneint.

Wie die beiden Beispielsaussagen zeigen, auch diejenigen, die sich für das Nichtlernen der Sprache entschieden, gaben zu, dass Sprachkenntnisse in mehrerer Hinsicht nützlich sind.

Ein anderer Grund dafür, dass man die Sprache nicht lernen wollte, war, dass man glaubte, Sprache sei nicht der entscheidende Faktor für den Erfolg in China, „die Fachkompetenz soll zuerst kommen, dann die Sprachkompetenz“. Es gäbe viele Ausländer, die die Sprache nicht können und trotzdem in China sehr erfolgreich seien; und „es gibt genau so gut Ausländer, die die Sprache können, und hier nicht zurechtkommen.“

NL Zoetermeer

05-02-2011

© Copyright 2011

Über Professor C.J.M. Beniers

Prof. C.J.M. Beniers ist ein bekannter Fachmann auf dem Gebiet von modernen und internationalen Kommunikationstechniken und Entwickler vom Sechs-Komponenten-Modell. Damit können Firmen, Institutionen und Politiker mit Gesprächspartnern aus aller Welt erfolgreich kommunizieren und verhandeln. Seine Karriere begann als internationaler Manager bei Philips N.V. Später promovierte er als Professor und hat mittlerweile mehr als 35 Jahre Erfahrung als Manager und Management Trainer. Dadurch kennt er beide Seiten, die Theorie und die Praxis, sehr genau. Als Kommunikationsexperte veranstaltet er wissenschaftliche Forschungen im interkulturellen Bereich. Die interessanten Ergebnisse  dieser Forschungen sind in seinen E-Büchern nachzulesen, wie z.B. “Bridging The Cultural Gap”. Hier lernen moderne Manager sich erfolgreich auf Geschäfte mit Leuten aus Fremdkulturen vorzubereiten. Unter anderem werden aktuelle Themen wie Verhandlungen in Krisenzeiten, interkulturelle Barrieren, landesspezifische Kommunikationstechniken, persönliche kulturbedingte Wertesysteme und Missverständnisse behandelt und plausibel erklärt.

Kontakt:

Prof. C.J.M. Beniers

Amaliaplaats 2
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Die Niederlande

Tel.: +31 (0) 79 – 3 19  03 81
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