China-2: Kommunikation mit Chinesen

January 23, 2011 by · Leave a Comment
Filed under: Uncategorized 

slide0187

Analyse von Problemen

Im folgenden werde ich versuchen, aus den Aussagen meines Interviewpartners seine Erfahrungen zur Kommunikation mit Chinesen zusammenzufassen und die angesprochenen Probleme und deren Einfaktoren analysieren.

Wie die Mehrheit der befragten Deutschen sprach Herr Wien kaum Chinesisch, er benutzte Englisch in seiner Kommunikation mit Chinesen. Er hatte bei seiner Arbeit hauptsächlich mit englischsprechenden Chinesen zu tun. Direkte Kommunikation mit nichtenglischsprechenden Chinesen hatte er kaum oder nur durch einen Dolmetscher. Mit seinen chinesischen Kollegen in der Kanzlei, die alle entweder „westlich geprägt sind“ oder „exzellent Englisch sprechen“, erlebte er nach seiner Angabe keine Kommunikationsprobleme. Auch mit chinesischen Anwälten könne er „normal arbeiten“. Daraus zog er die Folgerung: „Das Hauptproblem ist die Sprache, nicht die unterschiedliche Kultur“. Er maß dem chinesischen Gesichtskonzept „keine so große Bedeutung zu“ und war damit „eigentlich auch gut gefahren“. Er glaubte, wenn die Chinesen „eine gewisse Offenheit, Flexibilität an Tag legen“, brauche man dann „keine Feinheiten der chinesischen Psyche“ zu erforschen, um mit Chinesen „normal kommunizieren zu können“.

Auf der anderen Seite gab er zu, daß man doch die chinesische Sprache brauche, einerseits für die Arbeit, wenn man Joint-Venture Verhandlungen hätte oder mit Behörden verhandeln müsse, andererseits für die Integration in China. Aufgrund der Tatsache, daß nur sehr wenige Chinesen ausreichend Englisch sprechen, so daß „eine normale Unterhaltung möglich wäre“, hatte er keine chinesischen Freunde. Er war sicher, daß er sich besser integrieren würde, wenn er Chinesisch sprechen könnte. Er bestätigte, daß er die chinesische Mentalität nicht kannte, und nur einen „eingeschränkten Einblick“ in die chinesischen Verhaltensmuster hatte. Er hätte auch „große Schwierigkeiten, die Chinesen zu verstehen“.

Er glaubte schon, daß Kommunikationsprobleme durch kulturelle Unterschiede verursacht werden könnten, insbesondere in Situationen, in denen Chinesen „in ihrer chinesischen Welt verharren und erwarten, daß man nach diesen Regeln, die man nicht kennt, spielt“. Von anderen Deutschen hatte er aber „viele schlechten Erfahrungen“ gehört, besonders von denjenigen, die sehr viel direkt mit nicht-englisch- bzw. nicht-deutschsprechenden Chinesen zu tun haben. Er selbst hatte die Erfahrungen gemacht, daß Chinesen „Ja“ sagen, auch wenn sie nicht verstanden haben oder nicht bereit sind, etwas durchzuführen. In dieser Hinsicht glaubte er Kommunikationsprobleme mit Chinesen zu haben.

Herr Wien hatte in seinen Aussagen drei wichtige Einflußfaktoren der Kommunikation angesprochen: die Sprache (auch die Sprachkenntnisse), die Kultur und die Unterschiede in den Kommunikationskonventionen. Die Voraussetzung dafür, daß Herr Wien mit einigen Chinesen problemlos kommunizieren und damit er auch seine Aufgabe in China ausführen konnte, war das Vorhandensein eines gemeinsamen Kommunikationsmittels zwischen ihm und seinen chinesischen Kommunikationspartnern, nämlich die englische Sprache. In seiner Kanzlei, wo er fast nur positive Erfahrungen erlebte, orientierten sich alle Kommunikationsteilnehmer eindeutig nach den westlichen Kulturstandards, wobei es hier nicht klar ist, ob sich die westlichen Kulturstandard um die deutschen, die britischen oder die amerikanischen Kulturstandards handelt. Es scheint also, so lange Deutsche und Chinesen durch eine gemeinsame Sprache kommunizieren können, ist eine Zusammenarbeit möglich. Für Deutsche sind deswegen die chinesischen Sprachkenntnisse keine unentbehrliche Voraussetzung für einen Einsatz in China, umgekehrt sind Deutschkenntnisse für Chinesen auch nicht unbedingt erforderlich für ihre Zusammenarbeit mit Deutschen. Diese Aussage sollte hier jedoch keinesfalls als ein endgültiges Urteil über die Bedeutung der Sprachkenntnisse in der deutsch-chinesischen Wirtschaftskommunikation verstanden werden. Erst anhand des gesamten Datenmaterials kann ich die am Anfang der Arbeit gestellte Frage zur Rolle der Sprache und Sprachkenntnisse in der gesamten Problematik der Kommunikation zwischen deutschen Expatriates und Chinesen beantworten.

Wie der Fall von Herrn Wien gleichzeitig zeigt, eine Kommunikation zwischen Deutschen und Chinesen, die auf der Basis einer gemeinsamen dritten Sprache geschieht, hat ihre Beschränktheit und bringt Probleme mit sich. Erstens beschränkt sich solche Kommunikation in der Regel nur auf der geschäftlichen Ebene, beide Seiten haben in diesem Sinne wortwörtlich nur eine gemeinsame „Geschäftssprache“. Ohne Kenntnisse der chinesischen Sprache hatte Herr Wien außer den Kontakten mit seinen Kollegen in der Kanzlei und seinen Geschäftspartnern kaum noch andere Kommunikationsmöglichkeiten mit anderen Chinesen, weil einerseits, wie Herr Wien sagte, nur wenige Chinesen sehr gutes Englisch sprechen, und andererseits Englisch auch für ihn nur die zweite Sprache ist, und „wenn es wirklich darauf ankommt, ein persönliches Gespräch zu führen, dann würde man auf Deutsch zurückgreifen, weil sich man im Deutschen viel sicherer fühlt“. Dadurch lebte er de facto in einer kleinen „westlichen Welt“. Von einer Integration kann gar keine Rede sein. Daher bekam er nur einen sehr eingeschränkten Einblick in die chinesische Kultur.

Daraus resultiert, daß er sich in der Kommunikation mit Chinesen, die er persönlich nicht gut kannte, unsicher fühlte oder auch ein „großes“ Problem hatte, „Chinesen zu verstehen“. Denn auch wenn ein Chinese mit ihm auf Englisch kommuniziert, ist nicht ohne weiteres klar, welcher kulturelle Standard hier gilt. Sein Problem mit dem chinesischen „Ja“ ist ein Beispiel dafür, daß man ein Wort buchstäblich versteht und trotzdem die wirkliche Bedeutung oder Funktion des Wortes nicht begreifen kann. Solche Situationen kommen sehr oft in der interkulturellen Kommunikation vor. Wie viele Untersuchungen der Kommunikationsethnographie zeigen, ist außersprachliches soziokulturelles Wissen für die Kommunikation ebenso wichtig wie das sprachliche Wissen.

Da eine direkte verbale Ablehnung einer Aufforderung nach dem chinesischen Kulturstandard in der Regel als ein grobes Benehmen zu verstehen ist, und den Gesichtsverlust von beiden Kommunikations- bzw. Interaktionspartnern bedeutet, würde ein Chinese selten ein direktes „Nein“ sagen, besonders nicht zu denjenigen, mit denen man Beziehungen im Sinne von guanxi aufrechterhalten möchte. Aus seinen Aussagen kann man zwar feststellen, daß Herr Wien den unterschiedlichen Sprachgebrauch von „Ja“ und „Nein“ im Deutschen und im Chinesen als ein Kommunikationsproblem erlebte, es jedoch unklar bleibt, ob dieser kulturbedingte Unterschied von Kommunikationsstrategien von ihm als einen Kulturunterschied wahrgenommen wurde. Seine Aussage „das Hauptproblem ist die Sprache, nicht die unterschiedliche Kultur“ deutet jedoch darauf hin, daß er dem kulturellen Einfluß auf die Kommunikation keine große Bedeutung zumaß.

Ob Herr Wien Kommunikationsprobleme mit Chinesen hatte oder nicht, kam nach seiner Ansicht vor allem „auf den Chinesen an“, mit dem er kommunizierte. Nach seiner eigenen Meinung hatte er keine Probleme in seiner Kanzlei in Shanghai, und den Hauptgrund dafür sah er darin, daß er nur mit englischsprechenden und „mit sehr gut ausgebildeten, sehr intelligenten Leuten zu tun“ hatte. In dieser Hinsicht ist sein Fall ein Glücksfall. Es sei aber anzunehmen, daß nicht alle seiner deutschen Landleute in China so „glücklich“ sind. Im folgenden werden wir die Kommunikationsprobleme von den „weniger glücklichen“ Expatriates anschauen.

NL Zoetermeer

23-01-2011

© Copyright 2011

Über Professor C.J.M. Beniers

Prof. C.J.M. Beniers ist ein bekannter Fachmann auf dem Gebiet von modernen und internationalen Kommunikationstechniken und Entwickler vom Sechs-Komponenten-Modell. Damit können Firmen, Institutionen und Politiker mit Gesprächspartnern aus aller Welt erfolgreich kommunizieren und verhandeln. Seine Karriere begann als internationaler Manager bei Philips N.V. Später promovierte er als Professor und hat mittlerweile mehr als 35 Jahre Erfahrung als Manager und Management Trainer. Dadurch kennt er beide Seiten, die Theorie und die Praxis, sehr genau. Als Kommunikationsexperte veranstaltet er wissenschaftliche Forschungen im interkulturellen Bereich. Die interessanten Ergebnisse  dieser Forschungen sind in seinen E-Büchern nachzulesen, wie z.B. “Bridging The Cultural Gap”. Hier lernen moderne Manager sich erfolgreich auf Geschäfte mit Leuten aus Fremdkulturen vorzubereiten. Unter anderem werden aktuelle Themen wie Verhandlungen in Krisenzeiten, interkulturelle Barrieren, landesspezifische Kommunikationstechniken, persönliche kulturbedingte Wertesysteme und Missverständnisse behandelt und plausibel erklärt.

Kontakt:

Prof. C.J.M. Beniers

Amaliaplaats 2
2713 BJ Zoetermeer
Die Niederlande

Tel.: +31 (0) 79 – 3 19  03 81
Mobile:  +31 (0) 6 2 061 8494

Email: info@beniers-consultancy.com

China-1: Kulturelle Unterschiede aus der Sicht eines deutschen Expatriates

January 3, 2011 by · Leave a Comment
Filed under: Uncategorized 

slide0186

China-1: “Das kommt auf den Chinesen an”

China entwickelt sich im rasanten Tempo zur wichtigsten Wirtschaftsmacht der Welt. Wegen der globalen wirtschaftlichen Verflechtung wird man vor allem im industrialiserten Westen mit China als wirtschaftlicher Einflussgröße zu tun haben. Aus diesem Grunde ist es notwendig, sich in die chinesische Kultur zu vertiefen damit man folgende Fragen beantworten kann:

1. Welche sind die wichtigsten Kulturstandards chinsesischer Kultur?

2. Worauf soll man im Umgang mit Chinesen achten?

3. Wie kann man im Umgang mit Chinesen geschäftlich erfolgreich sein?

Es sind schon Bücher und Artikel über chinessiche Kultur erschienen. Interesssant wird es aber erst recht, wenn Personen aus China, die einige Zeit im Westen gelebt und gewohnt haben, uns Informationen über wichtige Unterschiedsdimensionen zwischen chinesischer und westicher Kultur vermitteln: Sie kennen ja beide Seiten!

Dieser und einige nächste Blogs enthalten Ausschnitte einer sehr gründlichen und informationsreichen Dissertation von Hongxia Shi:

Kommunikationsprobleme zwischen deutschen Expatriates und Chinesen in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit

Empirische Erfahrungen und Analyse der Einflußfaktoren

Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät II derJulius-Maximilians-Universität zu Würzburg vorgelegt von Hongxia Shi aus Jiangsu, VR/China Würzburg 2003

Erstgutachter: Professor Dr. Dr. h.c. mult. Norbert Richard Wolf

Zweitgutachter: Professor Dr. Dieter Kuhn

Tag des Kolloquiums: 27. Mai 2003

„Das kommt auf den Chinesen an“ – Analyse eines Einzelfalls

Das folgende Interview ist ein typisches Gespräch, das von mir und meinem Interviewpartner geführt wurde. Ich bezeichne das Interviewgespräch als typisch, weil es keinen Extremfall bildet. Es gab bei dem befragten Deutschen auf dem ersten Blick kaum gravierende Kommunikationsprobleme in seiner Zusammenarbeit mit Chinesen. Unter den Expatriates, die ich interviewte, war er in vieler Hinsicht ein typischer Expatriate, auch wenn seine Aussagen und Meinungen nicht immer von anderen Befragten geteilt wurden.

Daten zum Interview:

Person: Herr Wien, Rechtsanwalt

Datum des Interviews: 26.09.97

Ort: In der Kanzlei des Befragten in Shanghai

(Nach kurzer gegenseitiger Bekanntmachung und nach dem Austausch von Visitenkarten stellte ich Herrn Wien kurz unser Forschungsprojekt vor. Das Ziel des Interviews hatte ich ihm bereits am Telefon erklärt. Vor Beginn des Interviews erklärte ich Herrn Wien, daß ich das Gespräch auf Tonband aufnehmen wollte, damit ich während des Gesprächs keine Notizen machen mußte. Er zeigte sein Einverständnis. Ich versprach ihm allerdings die Anonymität seiner Aussagen).

F: Können Sie Chinesisch?

W: Nein, ich habe ein paar Kurse gemacht, Chinesisch, aber kam an sich eigentlich unvorbereitet hierher, und habe dann hier weitere Kurse gemacht, aber wegen des Arbeitsanfalls aufgegeben.

F: Welche Aufgaben haben Sie eigentlich in China?

W: Ich bin hier, um das Büro aufzubauen. Das gab es vorher nicht, und ich kam hierher, mit einer chinesischen Kollegin zusammen, und wir haben dieses Büro aufgebaut.

F: Sie werden also beauftragt von Ihrem Stammhaus.

W: Von unserer Kanzlei.

F: Welche Fälle behandeln Sie hauptsächlich?

W: Als deutsche Rechtsanwälte hier beraten wir vor allem deutsche Unternehmen, die hier investieren wollen. Wir helfen bei der Gründung von Joint-Ventures oder hundertprozentigen Tochtergesellschaften, wir helfen ihnen beim Entwurf aller möglichen Verträge, Technologielizenzverträge, Arbeitsverträge, wir beraten auch deutsche Banken bei Darlehensverträgen.

F: Glauben Sie, daß die Sprache eine geringe Rolle spielt?

W: Das kommt ganz darauf an, was man gerade tut. Wenn man einen Darlehensvertrag überarbeitet, dann braucht man Chinesisch nicht, denn der wird auf Englisch formuliert, da muß man Englisch können. Er unterliegt meistens noch nicht einmal chinesischem Recht, sondern englischem Recht oder deutschem Recht, das könnte man genau so gut in Frankfurt machen, oder in London oder in New York, das ist völlig egal. Eh, wenn man dagegen Joint Venture Verhandlungen hat, oder wenn man mit Behörden verhandeln muß, dann braucht man natürlich die chinesische Sprache.

F: Aber spielt das eine Rolle, daß Sie kein Chinesisch sprechen, z.B. im alltäglichen Leben?

W: Doch, das spielt schon eine Rolle. Ich kann mich hier sehr viel weniger integrieren als ich das könnte, wenn ich Chinesisch sprechen würde, es gibt sehr wenige Chinesen, die ausreichend Englisch sprechen, das eine normale Unterhaltung möglich wäre. Deswegen sind die meisten meiner Bekannten Ausländer. Das hat auch ein bißchen mit meinem Berufzu tun. Wir bieten unsere Dienstleistungen zunächst nicht chinesischen Unternehmen an, weil chinesische Unternehmen gehen zu chinesischen Anwälten, wir bieten unsere Dienstleistungen insbesondere den deutschen Unternehmen an, aber auch andereneuropäischen Unternehmen, und deswegen pflege ich den Kontakt auch vor allem mit Leuten, den eh, die muß ich kennenlernen.

F: Haben Sie hier Freunde kennengelernt?

W: Ja, ja, Freunde habe ich, aber eben nicht unter der chinesischen Gemeinschaft, nur unter den Expatriates.

F: Was für Eindrücke haben Sie seit einem Jahr in China? Vielleicht der Verkehr ist ganz schlecht.

W: Ja, das stört mich gar nicht so sehr. Also wenn Sie den Verkehr ansprechen, das kann man sich arrangieren, da muß man ein bißchen früher losfahren vormittags, da kommt man relativ problemlos ins Büro, und abends gehe ich so spät aus dem Büro, daß ich da auch keine Probleme habe. Eh, wenn ich tagsüber irgendwo hin muß, dann muß ich das ebeneinkalkulieren, daß ich nicht mehr eine halbe Stunde brauche, sondern eine Stunde. Aberdas geht, das ist also nicht das große Problem. Was mich hier persönlich stört, ist die Umweltbelastung.

F: Ja, die Luft.

W: Die Luft, ja, auch daran hat man sich gewöhnt, aber habe ich trotzdem ein schlechtes Gefühl, diese schlechte Luft einatmen zu müssen. Und was ein bißchen deprimierend ist, Sie sehen es auch heute wieder, man sieht selten blauen Himmel, meistens diese weiße Suppe da draußen, und das wirkt natürlich nicht gerade stimulierend auf die Laune.

F: Was denken Sie wenn Sie raus gehen und der Verkehr so chaotisch ist?

W: Ach, das finde ich gar nicht so chaotisch.

F: Woher kommen Sie, aus Berlin oder

W: Aus Stuttgart.

F: Auch eine Großstadt

W: Im Vergleich zu Shanghai ist das nur ein Dorf, nur 500 000 Einwohner, ein / daran habe ich mich gewöhnt. Im Straßenverkehr, eh, da, muß man sich darauf einstellen, daß die Sitten hier anders sind, das ist klar. Aber erstens fahre ich nicht selbst, sondern ich fahre mit demTaxi, und wir haben einen sehr guten Taxifahrer, der damit bestens umgehen kann, und /also ich habe damit keine Probleme. Und das andere, was vielleicht manche Deutsche bemängeln, ist, daß die Chinesen, wenn man sich irgendwo anstellt, sich dann vorne rein drängeln, das geht mir auch auf die Nerven, (lachend), das muß ich auch zugeben.

F: Die Distanz zwischen den Menschen ist hier kleiner.

W: Ist wenig, ja, das stimmt, ja, das muß man sich ein bißchen darauf einstellen. Die Deutschen mögen es nicht, wenn jemand zu nah an sie herankommt, man will ein bißchen mehr Abstand haben.

F: Waren Sie vorher, bevor Sie nach China kamen, auch im Ausland tätig?

W: Ja ja, ich war viel im Ausland, ich war in den USA, ich war in Genf, ich war in Brüssel tätig, vorher ja.

F: Ist das sehr hilfreich, also

W: Ja klar, ja klar, natürlich, natürlich, wenn man schon einmal woanders war, kann man sich auch auf neue Situation schneller einstellen, besser einstellen. Man weiß, daß nicht alles so funktioniert wie in Deutschland, daß es in anderen Ländern anders zugeht, und manist da ein bißchen flexibler.

F: Worin unterscheidet sich China von anderen Ländern?

W: Das ist schwierig zu sagen, also meine persönlichen Arbeitsbedingungen, die schaffe ichmir selbst. Wir sind hier eigentlich eingezogen, haben das Büro nach unseren Wünschen ausgestattet, eh, wir haben unser Computersystem und wir haben unsere Büroorganisation, also, das unterscheidet sich also nicht sehr von dem, was ich vorher in Brüssel getan habe oder in Berlin oder sonst irgendwo. Natürlich wenn man mit anderen zu tun hat, außerhalb des Büros, da kommt es natürlich zu großen Unterschieden, das liegt an einem Bereich, ich komme aus Deutschland, mit einem Rechtssystem, das seit hundert Jahren relativ hoch entwickelt ist, wo alles durchreguliert ist, und man einfach in einem Buch nachschlagen kann, was rechtens ist und was nicht rechtens ist, und hier in China hat man es mit einer unglaublich schnellen Entwicklung zu tun. Das Rechtssystem war bis vor wenigen Jahren nur rudimentär vorhanden, das ist an sich noch kein Rechtsstaat in dem Sinne. Aber es entwickelt sich sehr schnell in Richtung eines Rechtsstaats, eh, man muß sich also ständig mit sehr vielen neuen umwälzenden Gesetzänderungen auseinandersetzen, und hat darüber hinaus eben nicht die Gewißheit, daß diese Gesetze auch wirklich angewendet werden, sondern da gibt es noch die Behördenpraxis, und die sieht dann wieder ganz anders aus. Und das ist für uns schwierig zu verstehen, aber es ist nicht so, daß es hier reines Chaos herrscht, sondern man kann die Regeln, die dieses ganze System steuern, kennenlernen, dann muß man sich eben darauf einstellen und dann mit diesem System umgehen lernen.

F: Sie haben also schon einige Erfahrungen mit den Behörden?

W: Jaja.

F: Spielt zum Beispiel das Gesichtskonzept eine Rolle?

W: Diesem Gesichtskonzept, dem messe ich gar keine so große Bedeutung zu, das wird glaube ich auch oft übertrieben. Eh, das äußert sich vielleicht in gemeinsamem Mittagessen, wo dann eben der weniger wichtige Chinese überhaupt nichts sagt und für eine Unterhaltungnicht zur Verfügung steht, sondern man immer nur dem Wichtigsten seine Aufmerksamkeit schenkt. Das weicht ein bißchen von unseren Verhaltensmustern ab. Eh, aber wenn man von den Behörden etwas will, wenn man mit denen verhandelt, dann spielt das Konzept des Gesichts keine Rolle, sollte es auch nicht. Das wird, glaube ich, von den Chinesen auch sehr raffiniert eingesetzt, daß man bestimmte Verhandlungszugeständnisse nicht machen darf, weil man sonst sein Gesicht verlieren würde. Eh, da nehme ich keine Rücksicht darauf und bin damit bisher eigentlich auch gut gefahren.

F: Aber vielleicht spielen Beziehungen eine Rolle?

W: Welche Beziehungen?

F: Ich meine das Netzwerk.

W: Ja klar, ja, ja.

F: Sie müssen hier vielleicht ein Netzwerk aufbauen, seitdem Sie hier arbeiten müssen

W: Auch das wird meines Erachtens übertrieben. Wissen Sie, wir wollen von den Behörden normalerweise auch nichts. Eh, wir stellen unsere Anträge, wenn die Anträge in Ordnung sind, dann bekommt man auch seine Genehmigung, dann brauche ich keine pengyou (Freunde) in irgend einer Behörde sitzen haben, eh, damit ich Genehmigung bekomme. Das mag sein, eh daß man vor paar Jahren nur dann einen Antrag einreichen konnte, wenn man dort jemanden kannte, das ist heute völlig anders. Ich habe also damit kein Problem. Die einzigen, die Probleme haben, sind meine chinesischen Kollegen, die Auskünfte von chinesischen Behörden brauchen und oft eben wenig auskunftswillige Behördenvertreter am Telefon haben, da würde es schon helfen, wenn man jemanden kennen würde in der Peoples Bank of China oder bei der Arbeitsverwaltung oder so.

F: Brauchen die Deutschen in China eigentlich wenige Beziehungen in China?

W: Ja, nein, ich sagte nur auf mich selbst bezogen, wenn Sie natürlich ein Unternehmen betreiben wollen, und Sie wollen Maschinen verkaufen, an chinesische Unternehmen, dann brauchen Sie natürlich Beziehungen zu den chinesischen Abnehmern. Und wenn das italienische Unternehmen die besseren Beziehungen hat, dann haben Sie natürlich schlechte Karten. Also ich sehe das jetzt durch die Brille des Anwalts. Wo man Beziehungen braucht oder über Beziehungen etwas erreichen kann, ist, eh wenn man eine bestimmte Genehmigung haben will, die sich sonst schwierig gestalten würde, ehm, aber da muß ich davor warnen, es gibt eben Behörden, die tun einmal einen Gefallen, und erteilen eine Genehmigung, die mit dem Gesetzesrecht nicht in Einklang zu bringen ist, aber diese Genehmigung hält eben hinterher nicht, die ist illegal und davor kann ich als Anwalt nur warnen. Man kommt auch auf Abwege. Ich habe hier alles erreicht, ohne einen großen starken Freund, absolut ohne Korruption, es ist nicht erforderlich, jedenfalls in meinem Beruf nicht erforderlich. Ich habe keine Ahnung, wie das bei anderen ist. Ich habe auch nie von einem Beamten einen Hinweis bekommen, daß er gerne eine Zuwendung hätte, das gibt es nicht, in meinem Bereich gibt es das nicht.

F: Gibt es Mißverständnisse mit Ihren chinesischen Kollegen, weil Sie einen deutschen kulturellen Hintergrund haben und sie einen chinesischen kulturellen Hintergrund haben?

W: Nein, ich persönlich habe da keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht, ich habe aber von vielen schlechten Erfahrungen durch die Kontakte mit hier arbeitenden Deutschen, Europäern und Chinesen gehört. Der Grund, daß wir hier keine Probleme haben, ist höchstwahrscheinlich der, daß wir mit sehr gut ausgebildeten, sehr intelligenten Leuten zu tun haben. Zwei meiner chinesischen Kolleginnen haben auch viele Jahre im Ausland verbracht, die sind schon westlich geprägt, die wissen, daß wir anders sind, aber auch die zwei Kolleginnen, die wir hier haben, die noch nie im Ausland waren, sprechen beide exzellent Englisch und sind beide sehr offen und flexibel, deswegen kommt es da zu überhaupt keinen Missverständnissen. Wir sind hier ganz direkt und offen. Es hat uns noch nie jemandverlassen, weil es ihm bei uns nicht gefallen hat. Offensichtlich funktioniert es gut, und die Stimmung ist gut.

F: Was hatten Sie vorher durch Bücher oder durch Medien für ein Chinabild?

W: En, nur ein ganz schemenhaftes Bild. Eigentlich hatte ich keine richtige Vorstellung. Esging auch bei mir zu schnell, das war nicht vor langer Zeit vorbereitet, daß ich jetzt hierher komme. Urplötzlich war klar, daß wir die Lizenz bekommen, ein Büro hier aufzumachen, und ich habe mich von heute auf morgen entschlossen, daran mitzuarbeiten, und dann war ich auch schon in China. Ich hatte wirklich kein besonderes Interesse für China, das war zu weit weg, ich habe mich für die USA interessiert, für Japan auch, muß ich gestehen, aber nicht für China. Jetzt bin ich hier, und es interessiert mich sehr, und ich lese heute alles, was mit China zu tun hat, und bin auch gerne hier.

F: Wie lange würden Sie noch hier bleiben?

W: Das ist jetzt noch offen, vielleicht noch zwei, drei Jahre.

F: Was würden Sie Ihrer Familie, Ihren Freunden in Deutschland über China erzählen? Sie schreiben sicher viele Briefe oder telefonieren oft mit ihnen.

W: Ich habe leider nicht die Zeit dazu, (lachte), Briefe zu schreiben. Ich erzähle von der rasenden Entwicklung in China, von dem Bauboom hier in Shanghai, ich erzähle ihnen, daß trotzdem noch vieles weit zurück ist, die Einkaufsmöglichkeit, die Konsummöglichkeit sind in China weit nicht so hoch entwickelt wie in den USA zum Beispiel oder in Europa, ich erzähle von dem Umweltproblem und natürlich auch von den Verkehrsproblemen, und ich erzähle auch von dem politischen System, das natürlich seine Eigenheit hat.

F: Sie haben die beschränkte Konsummöglichkeit erwähnt. Man kann eigentlich in Shanghai auch das bekommen, was man zum alltäglichen Leben braucht, was meinen Sie?

W: Also das, was man braucht, bekommt man, das ist ganz klar. Auch das, was man als Europäer gern hätte, zum Essen, zum Beispiel, das ist kein Problem, aber einen ordentlichen Anzug, einen schönen Mantel, oder derart, das fehlt noch.

F: Wie ist es mit dem Abendleben?

W: Das ist für Shanghai, eine 15-Millionenstadt sehr klein, aber es ist ausreichend mittlerweile.

F: Inwiefern unterscheiden sich die Chinesen und die Deutschen, die Verhaltensmuster?

W: Ja gut, da habe ich natürlich nur eingeschränkten Einblick. Ich höre da unheimlich schlimme Geschichten. Aber ich kann nur aus meiner Erfahrung berichten. Meine Erfahrung ist, daß Chinesen sich nicht übermäßig einsetzen für ihren Beruf, daß sie zwar ihre Arbeit tun, auch sehr gut, aber nicht darüber hinaus eigene Initiative eingreifen. Wobei es auch da Ausnahmen gibt. Aber in aller Regel habe ich den Eindruck, daß die Leute, daß man ihnen sagen muß, was sie tun sollen und wenn man ihnen genau erklärt, wie sie es zu tun haben, dann funktioniert es auch. Es kommt immer darauf an, wer, und wie sie es machen. Wir haben zum Beispiel eine Buchhalterin, die arbeitet völlig selbständig, ich habe damit überhaupt nichts zu tun, und das macht sie praktisch seit dem ersten Tag.

F: Wie beurteilen Sie Ihre Zusammenarbeit mit Ihren chinesischen Mitarbeitern? Zufrieden, mittelmäßig, gut oder sehr gut?

W: Sehr gut, sehr gut, ich hab überhaupt keine Probleme damit.

F: Unterhalten Sie auch sehr gern mit Chinesen in Ihrer Freizeit?

W: (Lachte). Das kommt auf den Chinesen an. Also die Chinesen, die wir hier im Büro haben, mit denen ich mich gut verstehe, mit denen wir auch mal abends zusammen zum Essen gehen, oder etwas zusammen unternehmen, mit denen bin ich sehr sehr gern zusammen, oder wir essen auch hier zusammen mittag, das finde ich auch sehr interessant, was die erzählen, aber gut, es gibt natürlich Leute, die kennt man nur ein bißchen, das ist aber kein Unterschied zu den Westlern, auch da gibt es Leute, die man mehr mag und Leute, die man weniger mag.

F: Glauben Sie, daß es durch kulturelle Unterschiede Kommunikationsprobleme gibt?

W: Ich glaube schon. Leute, die an Ausländer nicht gewöhnt sind, und in ihrer chinesischen Welt verharren, und erwarten, daß man nach diesen Regeln, die man nicht kennt, spielt, das geht natürlich schief. Das kann nicht funktionieren.

F: Haben Sie typische Mißverständnisse mit Chinesen erlebt?

W: Nein, es gibt kein typisches Mißverständnis. Es kommt natürlich immer wieder zu Mißverständnissen. Aber ich habe nicht den Eindruck, daß es jetzt etwas Außergewöhnliches ist. Das Hauptproblem ist die Sprache, nicht die unterschiedliche Kultur. Ich kann also mit chinesischen Anwälten völlig normal arbeiten, genau so wie ich mit einem französischen Anwalt oder einem italienischen.

F: Kennen Sie die chinesischen Mentalität?

W: Nein, das glaube ich nicht.

F: Aber trotzdem können Sie mit Chinesen gut zusammenarbeiten?

W: Ja, glaube ich. Also ich habe nicht den Eindruck, daß ich hier die Feinheiten der chinesischen Psyche zu erforschen habe, um mit Chinesen normal kommunizieren zu können. Wenn die Chinesen eine gewisse Offenheit, Flexibilität an den Tag legen, dannmüßte das möglich sein. Ich habe bisher auch kein Problem gehabt. In Deutschland gibt es irgendwelche Kulturschulungen, da verdienen viele Leute, die davon nichts verstehen, sehr viel Geld. Ich halte das, gut nicht für falsch, wenn man sich damit beschäftigt, aber ich halte das für falsch, das zu überbetonen. Wenn man sich hier vernünftig verhält, man darf nicht als der arrogante Westler auftreten, als der Kolonialherr oder sonst irgendeine seltsameRolle einnehmen. Wenn man sich ganz normal als Geschäftsmann verhält, der die Chinesen respektiert und freundlich behandelt, dann hat man hier keine Schwierigkeiten, da muß ich aber jetzt nicht die chinesische Psyche in ihrer tiefsten Tiefe verstehen. Ich habe den Eindruck, daß manche Bücher und Schulungen die Leute eher verderben, daß sie sich krampfhaft bemühen nach diesen Regeln zu leben und bei Chinesen auf Unverständnis stoßen. Denn die Chinesen gehen zunächst davon aus, daß ein Ausländer sich wie ein Ausländer verhält, und nicht wie ein Chinese. Und wenn ich hierher komme und versuche, der beste Chinese zu sein, um mich chinesischer zu verhalten als die Chinesen, dann werde ich nur auf Unverständnis stoßen.

F: Haben Sie Probleme mit der chinesischen Höflichkeit?

W: Normalerweise funktioniert das mit der Höflichkeit ganz gut. Leute, die von einem etwas erwarten und ein Geschäft machen wollen, die sind sehr höflich, das fängt mit dem Taxifahrer an und hört bei einem Leiter irgendeiner Developementzone auf. Leute, die nichts von einem wollen, die können auch sehr unhöflich und sehr abweisend sein. Zum Beispiel Behördenvertreter, oder wenn man jemanden auf der Straße fragt, da werden manchmal nicht die geringsten Formen gewahrt. Das ist aber nicht gegen Ausländer gerichtet.

F: Inwiefern lohnt sich das China-Engagemant?

W: Für mich?

F: Ja.

F: Für mich persönlich ist es eine enorme interessante Erfahrung, hier zu sein, in diesem fremden Land, mit diesen andersartigen Leuten zu tun zu haben und dennoch festzustellen, daß es funktioniert, das ist schon toll. Und ich bin persönlich durch meine Aufgabe sehr gefordert, weil ich dieses Büro aufbauen muß, das ist schwierig, das fordert mich als jungen Mann viel heraus.

F: Sie sind ohne Familie hierher gekommen?

W: Ja. Grundsätzlich halte ich es schon besser, wenn man mit Familie hierher kommt, und auch mit Kindern. Es ist natürlich für Frauen, die keinen Beruf hier finden, langweilig, die haben nichts zu tun. Es gibt ein paar Ausnahmen, die können sich bestens beschäftigen, aber die meisten leiden unter der Einsamkeit.

F: Haben Sie Probleme unter den Chinesen wegen Ihres jungen Alters?

W: Nein. Ich habe bisher keinen Nachteil. Das kann sicher helfen, wenn ich 20 Jahre älter wäre, es könnte helfen, ich hätte sicher mehr Überzeugungskraft. Das ist aber ganz normal, das ist auch in Deutschland so.

F: Sind die Sinologen die geeigneten Leute für China?

W: Also ich denke, die Fachkompetenz sollte zuerst kommen, dann die Sprachkompetenz. Sinologie ist ja nicht nur die Sprache, sondern auch die ganze Kultur. Ich sehe hier oft, daß Sinologen zu Generalmanagers gemacht werden, das kann ja nur schief gehen, die wissen nicht, wie man so ein Unternehmen leitet. Die wissen nicht, worauf es ankommt. Das Einzige, was die können, ist die Sprache, und das reicht eben nicht. Wenn Sie sich die erfolgreichen ausländischen Unternehmen hier anschauen, die meisten Generalmanager sprechen kein Wort Chinesisch.

F: Wir haben vorher das China-Engagement erwähnt, jetzt nicht für Ihre Persönlichkeit, sondern für die deutsche Wirtschaft, für deutsche Unternehmen, ist es sinnvoll, nach China zu kommen?

W: Das ist in dem Moment sinnvoll, in dem man Profit macht, und sehr viele Unternehmen machen keinen Profit. Deswegen ist es schon richtig, diese Frage aufzuwerfen. Ich glaube, es ist für ein wirklich international- globaltätiges Unternehmen keinen Weg an China vorbei gibt. Jeder muß hier versuchen, Fuß zu fassen, muß eine Präsenz aufbauen, um für die künftige Entwicklung des Marktes, die heute noch nicht ausreichend stattgefunden hat, die aber zu erwarten ist, denn in China entwickelt sich rasant, gerüstet zu sein und dann an dieser Entwicklung teilhaben zu können. Es ist hier nicht nur ein kurzfristiges Engagement in China, mit dem man erhofft, innerhalb von wenigen Jahren sehr viel Gewinn zu machen, das wird scheitern, aber wenn man ein strategisches Investment vornimmt, um an der künftigen Entwicklung teilzunehmen, dann ist es sicher sinnvoll. Und es kommt auch immer auf Ihre Produkte an. Wir haben hier Unternehmen, die kommen hierher, und verdienen nach drei Wochen Geld, und wir haben Unternehmen, die verdienen nach fünf Jahren noch kein Geld. Sie müssen auch mit dem richtigen Produkt hierher kommen. Das ist völlig unabhängig davon, wie groß Ihre Firma ist, sondern hängt allein von dem Produkt ab. Mit jeder Größe würden Sie einen Konkurrenten finden. Man kann auch als keines Unternehmen nach China kommen und mit bestimmten Produkten, die hier gefragt sind, sehr erfolgreich sein.

F: Welche Kompetenz sollte man haben, um hier zu arbeiten?

W: Das Wichtigste ist Flexibilität und Toleranz, man kann nicht hierher kommen und erwarten, alles so vorzufinden, wie es in Deutschland ist, wenn Leute nicht bereit sind, sich auf etwas Neues einzulassen, etwas Neues auszuprobieren, dann werden sie hier Schwierigkeiten haben. Wenn jemand sagt, ich esse nur deutsches Essen, ich möchte jeden Morgen im Wald jog gehen, sonst gefällt mir mein Leben nicht, dann ist er hier sicher falsch. Man muß bereit sein, das morgentliche Jogging einzutauschen gegen ein Fitnesscentre in Hotel Hilton, da, gewisse Flexibilität muß da sein. Wenn jemand es nicht ertragen kann, daß der Verkehr hier anders abspielt als in Deutschland, wenn er diese Leute am liebsten bei der Polizei anzeigen würde oder erschießen würde, wenn sie ihn überholen,dann ist er hier auch falsch. Es muß eine gewisse Toleranzbereitschaft da sein, man muß sagen, die Chinesen verhalten sich anders, sie verhalten sich auch gegen unsere Regel, so sind sie halt, dann akzeptiere ich es halt.

F: Was sollte man beachten, wenn man mit Chinesen sprechen will? Soll man immer die Atmosphäre zunächst erwärmen, und nicht zu direkt zur Sache kommen?

W: Ja, das kommt darauf an, mit wem man es zu tun hat, wenn ich mit einem Verhandlungspartner zusammensitze, der ein anderes Unternehmen vertritt, und ich möchte eine ganz bestimmte Sache von ihm, dann muß ich das Ganze vielleicht ein bißchen anwärmen, man unterhält sich eine Weile, und kommt dann zur Sache. Man hat natürlich auch ganz andere Gesprächspartner, die haben auch noch andere Termine, da kommt mangleich zur Sache, das kommt auf die Situation an.

F: Verstehen Sie die Chinesen?

W: Nein. Gut, ich habe unterschiedliche Erfahrungen gemacht, ich habe Mitarbeiter, die sagen, was sie meinen, aber ich habe auch andere Beispiele, wo ich nach längerer Erklärung immer noch nicht weiß, was sie meinen, oder ich weiß überhaupt nicht, wenn ich jemanden bitte, das mag innerhalb des Büros, und er sagt ja, und kann ich überhaupt nicht sicher sein, daß er wirklich verstanden hat, was ich will und das dann tut, das kann sein, daß er „Ja“ sagt, und nicht verstanden hat und gar nichts tut, und man verläßt sich darauf. Als Deutscher sagt man: „Wie bitte?“, „Kannst du noch mal erklären?“, oder man sagt, „Nein, ich tue das nicht.“ Aber das ist nicht immer der Fall in China. Ich habe große Schwierigkeiten, die Chinesen zu verstehen, und hier, die Leute, mit denen ich zusammenarbeiten, die kenne ich ja gut, da weiß ich genau, wie genau ich etwas erklären muss, oder ob jemand mehr Erklärung braucht.

F: Kennen Sie Leute, die wirklich große Probleme mit Chinesen haben?

W: Ja, viele, es gibt viele (lachend).Sie sollen meinen Freund anrufen. Der ist derjenige in der deutschen Gemeinschaft, der am interessantesten über seine Erfahrungen mit Chinesen erzählt hat. Er ist ein Ingenieur von der Firma Robert Bosch GmbH. Der hat ganz andere Erfahrungen als ich. Er ist schon zwei Jahre hier, und hat sehr viel mit Chinesen zu tun. Die, die normalerweise nicht im Alltag direkt mit Chinesen zusammenarbeiten, sehen es vielleicht auch ein bisschen lockerer an. Viele Probleme gibt es gar nicht. Wenn man aber in der Fabrikhalle mit zwanzig Chinesen steht, und die tun das einfach nicht so, wie man sich das vorstellt, und sind lustlos, dann kommt es zu Spannungen.

(Ende der Aufnahme).

NL Zoetermeer

03-01-2011

© Copyright 2011

Über Professor C.J.M. Beniers

Prof. C.J.M. Beniers ist ein bekannter Fachmann auf dem Gebiet von modernen und internationalen Kommunikationstechniken und Entwickler vom Sechs-Komponenten-Modell. Damit können Firmen, Institutionen und Politiker mit Gesprächspartnern aus aller Welt erfolgreich kommunizieren und verhandeln. Seine Karriere begann als internationaler Manager bei Philips N.V. Später promovierte er als Professor und hat mittlerweile mehr als 35 Jahre Erfahrung als Manager und Management Trainer. Dadurch kennt er beide Seiten, die Theorie und die Praxis, sehr genau. Als Kommunikationsexperte veranstaltet er wissenschaftliche Forschungen im interkulturellen Bereich. Die interessanten Ergebnisse  dieser Forschungen sind in seinen E-Büchern nachzulesen, wie z.B. “Bridging The Cultural Gap”. Hier lernen moderne Manager sich erfolgreich auf Geschäfte mit Leuten aus Fremdkulturen vorzubereiten. Unter anderem werden aktuelle Themen wie Verhandlungen in Krisenzeiten, interkulturelle Barrieren, landesspezifische Kommunikationstechniken, persönliche kulturbedingte Wertesysteme und Missverständnisse behandelt und plausibel erklärt.

Kontakt:

Prof. C.J.M. Beniers

Amaliaplaats 2
2713 BJ Zoetermeer
Die Niederlande

Tel.: +31 (0) 79 – 3 19  03 81
Mobile:  +31 (0) 6 2 061 8494

Email: info@beniers-consultancy.com

  • Categories

  • Archiv