Überlegungen zur Kultur als Einflussgröße im Selbstkonzept (2)

March 23, 2010 by beniers · Leave a Comment
Filed under: Kommunikation, Psychologie 

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Überlegungen zur Kultur als Einflussgröße im Selbstkonzept (2)*

Um Missverständnisse zu vermeiden folgt hier eine kurze Beschreibung des Begriffes Selbstkonzept.

Das Selbstkonzept umfasst die Wahrnehmung und das Wissen um die eigene Person. Dazu gehört das Wissen über persönliche Eigenschaften, Fähigkeiten, Vorlieben, Gefühle und Verhalten.

George Herbert Mead hat in Anlehnung an William James eine Einteilung des Selbst in I und Me vorgenommen. I ist the knower - der wissende, handelnde, aktive Teil des Selbst. Me ist the known - das Gewusste, das Fundament unserer Persönlichkeit. Das Selbstkonzept stellt dabei den dispositionalen, also zeitlich überdauernden Teil des Me dar.

In der aktuellen pädagogisch-psychologischen Forschung sind Herbert Marsh und Richard J. Shavelson wichtige Vertreter der Selbstkonzept-Forschung. Sie haben wesentlich an der Erforschung schulischer Selbstkonzepte gearbeitet, worunter man Personenmerkmale versteht, die Lernen und schulisches Wahlverhalten beeinflussen (vgl. Köller, Trautwein, Lüdtke & Baumert, 2006).

Bei der Entstehung des Selbstkonzepts interagieren genetische (dispositionale) und umweltbedingte, soziale Faktoren miteinander. Zu den vererbten Faktoren gehören Temperament, gewisse Persönlichkeitsdispositionen usw. (der Anteil des genetischen Einflusses ist in der Forschung umstritten).

Zu den sozialen Faktoren, die bestimmend für das Selbstkonzept sind, gehören u. a. folgende:

Sozialer Vergleich: Nach der Theorie des sozialen Vergleichs von Festinger beurteilen wir unsere eigenen Fähigkeiten und Eigenschaften durch den Vergleich mit anderen. So fand man z. B., dass Schüler, in deren Klasse nur wenig gute Mitschüler waren, ihre Leistung als besser einschätzten als Schüler mit vielen guten anderen in ihrer Klasse.

Erfolge und Misserfolge: Die Konsequenzen unseres Verhaltens und unserer Äußerungen beeinflussen ebenfalls die Bildung unseres Selbstbildes. Erfährt man viele Misserfolge, schätzt man die eigenen Fähigkeiten eher als gering und weniger wertvoll ein.

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Kultur**: Kollektivistische Kulturen (v. a. im asiatischen Bereich) legen mehr Wert auf Gruppenzugehörigkeit, auf die Meinung und die Ansichten anderer und das Wohl der Gemeinschaft. Hier entsteht ein eher interdependentes Selbstkonzept. Dieses schließt andere Personen und Gruppen in das eigene Selbstkonzept mit ein. Sagt sich z. B. eine Gruppe, der sich eine Person zugehörig fühlt, von dieser los, so geht auch ein wichtiger Bestandteil des Selbstkonzeptes der Person verloren.

Individualistische Kulturen legen mehr Wert auf Leistung und Persönlichkeitsmerkmale des Einzelnen. Hier entsteht ein eher intradependentes Selbstkonzept. Dieses umfasst kaum andere Personen und gründet sich mehr auf eigenen Persönlichkeitseigenschaften, Einstellungen und Fertigkeiten.

Es ist hier nicht das Ziel, das schier unüberschaubare Feld unterschiedlicher Verwendungen von “Kultur” (Maase 1990, S. 900) zu betrachten. Vielmehr soll aus der Vielfalt der Begriffsbestimmungen eine brauchbare Arbeitsdefinition gegeben werden, die den Hintergrund für die vorliegende empirische Untersuchung bildet und die Zusammenhänge zwischen Kultur, Wert und Selbtkonzept plausibel machen kann.

Mit Maurer (1990) ist Kultur das,”…was die Menschen aus sich und ihrer Welt machen und was sie dabei denken und sprechen” (S. 823). In einem im angloamerikanischen Sprachraum weit verbreiteten Lehrbuch der Sozialpsychologie wird ebenso eine handlungstheoretische Definition für den Kulturbegriff angeboten: “…cultures are ways of living. Cultures include both patterns of actual behavior and understanding of norms - ideas how people ought to behave. Cultures are typically associated with languages and political entities” (Sabini, 1995, S. 257f).

Maase hält fest: “Bei allen Ansätzen geht es im Kern um zwei grundlegende Dimensionen von Kultur:

a. analytisch-funktional um die Systeme von gesellschaftlichen Vermittlungen, über die menschliche Tätigkeit ideell (symbolisch, rational, emotional, sinnlich-bildhaft, ideologisch etc.) reguliert

b. axiomatisch-inhaltlich um die (letztlich auf Interessen gegründeten) Werte, Ziele, Maßstäbe, die die Verhaltensorientierungen konlreter Kultursysteme strukturieren” (S. 900).


* T. Meynhardt: Interkulturelle Differenzen im Selbstkonzept von Managern. ISBN: 3-8309-1182-3

**C. J.M. Beniers: Kultur. www.slideshare.net/beniers

Prof. C.J.M. Beniers

NL Zoetermeer

23-03-2010

© Copyright 2010

Über Professor C.J.M. Beniers

Prof. C.J.M. Beniers ist ein bekannter Fachmann auf dem Gebiet von modernen und internationalen Kommunikationstechniken und Entwickler vom Sechs-Komponenten-Modell. Damit können Firmen, Institutionen und Politiker mit Gesprächspartnern aus aller Welt erfolgreich kommunizieren und verhandeln. Seine Karriere begann als internationaler Manager bei Philips N.V. Später promovierte er als Professor und hat mittlerweile mehr als 35 Jahre Erfahrung als Manager und Management Trainer. Dadurch kennt er beide Seiten, die Theorie und die Praxis, sehr genau. Als Kommunikationsexperte veranstaltet er wissenschaftliche Forschungen im interkulturellen Bereich. Die interessanten Ergebnisse  dieser Forschungen sind in seinen E-Büchern nachzulesen, wie z.B. “Bridging The Cultural Gap”. Hier lernen moderne Manager sich erfolgreich auf Geschäfte mit Leuten aus Fremdkulturen vorzubereiten. Unter anderem werden aktuelle Themen wie Verhandlungen in Krisenzeiten, interkulturelle Barrieren, landesspezifische Kommunikationstechniken, persönliche kulturbedingte Wertesysteme und Missverständnisse behandelt und plausibel erklärt.

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Überlegungen zur Kultur als Einflussgröße im Selbstkonzept (1)

March 14, 2010 by beniers · Leave a Comment
Filed under: Kommunikation, Psychologie 

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Überlegungen zur Kultur als Einflussgröße im Selbstkonzept (1)*

In der Literatur existieren unterschiedliche Strukturmodelle zum Selbstsystem**. In modernen Handlungstheorien wird der schon von James (1892) benutzte Hierarchiegedanke fortgeführt (z.B. Lord & Levy, 194). In der Diskussion tauchen daneben Auffassungen auf, die eine Beschreibung des Selbst als Schema oder assoziatives Netzwerk oder Mischformen favorisieren (z.B. Hannover, 1997). Rosenberg (1979) schließt, dass es fast unmöglich sei, die Komplexität des Selbstsystems (“the complex sythesis”) hinreichend zu erfassen. Hier ist diese Frage nich vordergründig. Wichtiger ist vielmehr folgendes: Das angehäufte Wissen in der Psychologie, sei es beispielsweise in der kognitiven Psychologie, sei es in der modernen selbst- oder Ichpsychologischen Theorien (z.B. Färber, 1993); Kohut, 1971); Sullivan, 1953) legt zwingend nahe, das Selbstsystem als ultimativen Bezugspunkt in der Hierarchie der Persönlichkeit anzunehmen und als “Kritische Variable” in der psychologischen Theoriebildung einzubeziehen.

In Anlehnung an Filipp (1979) ist das Selbstkonzept*** als das in autonomer Weise selbsterzeugte “Produkt der Verarbeitung selbstbezogener Informationen” definiert. In ähnlicher Weise fasst H-D: Mummendy (1983, S. 281) das Selbstkomzept als die “Gesamtheit der kognitiven Repräsentationen des “Selbst” und die Gesamtheit als “Einstellungen zur eigenen Person”. Diesen und ähnlichen Definitionen ist gemeinsam, dass sie Modelle der mesnchlichen Informagtionsverarbeitung aus der allgemeinen Psychologie zugrundeliegen. Hierzu ist eine Bemerkung angebracht: Wenn das Paradigma der Machinen- bzw. Computermetapher, wo “Informationen” und “Daten” über spezifischen “Mechanismen” “abgebildet” und “verarbeitet” werden, dahintersteht, greift es an dieser Stelle zu kurz. Folgt man dem Gedanken, die menschliche Psyche als selbstorganisierende Struktur aufzufassen, dann muss der konstruktive Aspekt der selbständigen Erzeugung von Wissen aus Informationen anders hervorgehoben werden. Information ist nicht ohne weiteres mit Wissen gleichzusetzen. Eher ist Information “nur eine besondere Form des Wissens…, nämlich die Art und Weise, wie sich Wissen transportabel macht”  (Mittelstraß, 1992, S. 226). Folglich geht es nicht in ester Linie um “Verarbeitungskompetenzen”, sondern vielmeht um “Wissenskompetenzen”. “Also kommt es darauf an, sehr genau zwischen einem Wissen, das seinen Sitz in einem selbt erworbenen, selbst Wissen produzierenden Sachverstand hat und einem Wissen, das als mitgeteiltes übernommen und weiterverarbeitet wird, zu unterschieden” (ibid., S. 227). Einen Bezugsrahmen für bisherige, kaum noch überschaubare Ergebnisse und künftige Forschungsfragen in der Selbstkonzeptforschung liefern Erpenbeck et al. (1995). Die Autoren stellen den Bezug zum Paradigma der Selbstorganisation ausdrücklich her. Der Grundauffassung folgend, die Psyche als selbstorganisierendes System aufzufassen, können nach Erpenbeck et al. (ibid., S. 90) entsprechende korrespondierende fundamentale Chrakteristika sich selbstorganisierender Systeme zunächst in einer Analogie übertragen werden. Dazu zählen nach Probst (1987, S. 76ff):

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·    Autonomie: Unabhängigkeit, Selbstgestaltung, Selbstlenkung, Selbstregulierung, Aufrechterhaltung der funktionalen Grenzen und der Identität des Systems.

·    Selbstreferenz: operationale Geschlossenheit, innere Kohärenz, Selbstproduktion von Sein, Werden und Entwicklung, Offenheit gegenüber Energie, Materie und Information

·    Komplexität: Unsicherheit, Unbestimmbarkeit, Nichtreduzierbarkeit, unvollständige Beschreibbarkeit, uneindeutige Voraussagbarkeit, Selbstbeeinflussung interner Zustände , Veränderung interner Zustände durch Verhalten und Handeln

·    Redundanz: Untrennbarkeit zwischen organisierendem und organisertem Teil des Systems, mehrere Teile tun dasselbe, flexible Hierarchiebildung, Eigenschaften und Potentiale sind Teil des Ganzen.


* T. Meynhardt: Interkulturelle Differenzen im Selbstkonzept von Managern. ISBN: 3-8309-1182-3

**Selbstsystem ist komplexer als das Selbstkonzept der klassischen Selbstforschung und umfaßt alle als zur Person zugehörend erlebten Bedürfnisse, impliziten Motive, Emotionen etc. Es enthält subkognitive Anteile und erlaubt schnelle Reaktionen auf Wahrnehmungen interner und externer Reize.

*** Das Selbstkonzept umfasst die Wahrnehmung und das Wissen um die eigene Person. Dazu gehört das Wissen über persönliche Eigenschaften, Fähigkeiten, Vorlieben, Gefühle und Verhalten.

Georg Herbert Mead hat in Anlehnung an William James eine Einteilung des Selbst in I und Me vorgenommen. I ist the knower - der wissende, handelnde, aktive Teil des Selbst. Me ist the known - das Gewusste, das Fundament unserer Persönlichkeit. Das Selbstkonzept stellt dabei den dispositionalen, also zeitlich überdauernden Teil des Me dar.

In der aktuellen pädagogisch-psychologischen Forschung sind Herbert Marsh und Richard J. Shavelson wichtige Vertreter der Selbstkonzept-Forschung. Sie haben wesentlich an der Erforschung schulischer Selbstkonzepte gearbeitet, worunter man Personenmerkmale versteht, die Lernen und schulisches Wahlverhalten beeinflussen (vgl. Köller, Trautwein, Lüdtke & Baumert, 2006).

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