Überlegungen zur Kultur als Einflussgröße im Selbstkonzept (4)

April 11, 2010 by
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Überlegungen zur Kultur als Einflussgröße im Selbstkonzept ((4)*

Kulturelle Werte können offenbar nur funktional bzw. adäquat, jedoch nicht „wahr“ an sich sein. Insofern als sie sich im Lebensvollzug „bewähren“, sind sie für das Individuum eine praktikable Entscheidungshilfe bei der Überbrückung von fehlenden Kenntnissen. Genau dies dürfte im interkulturellen Kontext zunächst der Normalfall sein, denn fremde Wertesysteme sind zwar wissenschaftlich rekonstruierbar, aber nicht wirklich erfahrbar. Ein prominentes Beispiel in der chinesischen Kultur dürfte das Konzept des „guanxi“ sein (Yeung & Tung, 1996). Die darin zum Ausdruck kommende Betonung eines weitverzweigten Beziehungsgeflechts erscheint nachvollziehbar. Die konkrete Bedeutung, was dies zum Beispiel in einer Organisation wirklich einschließt, ist nur vor Ort erlebbar.

Jetzt können die Überlegungen auf den Gegenstand der Betrachtung übertragen werden: Selbstkonzepte als Produkte der Verarbeitung selbstbezogener Erfahrungen sind im weitesten Sinne geistige Ergebnisse. Nur als Ergebnisse sind sie (partiell) über verbale Äußerungen zugänglich. Diese impliziten Theorien über die eigene Person entstehen im kommunikativen Kontakt und vermitteln Bedeutungen im doppelten Sinne:

· Zunächst weist das Selbstkonzept auf etwas zur eigenen Person (objektiv) Erkanntes hin.

· Zum zweiten ist damit dem nachgeordnet, jedoch einander bedingend, eine (subjektive) Einordnung des Erkannten, eine Bewertung hinsichtlich der individuellen Bedeutsamkeit verbunden.

slide0235An dieser Stelle wird die angeführte gegenseitige Zuordnung unterschiedlicher Begriffe deutlich: Über die Grundfähigkeit der Selbstreflexivität (Selbstreferenz) wird es dem Individuum möglich, qua Selbstanalyse sich selbst erkennend zu werten bzw. sich selbst wertend zu erkennen. Interiorisierte Werte sind so als über kommunikative Akte (das Subjekt wird zum Objekt der Betrachtung) entstandene, kognitiv-affektiv “verankerte” handlungsrelevante (emotionale, kognitive, normative) Selbstbewertungen. Diese Einstellungen zur eigenen Person bilden als Einstellungsstruktur die Grundlage der Selbststruktur und motivieren in autonomer Weise individuell sinnhafte Handlungen. Im kommunikativen Austausch mit sich selbst bilden überindividuell-gesellschaftliche Bewertungssysteme die Bezugspunkte für die Bewertung des Erkannten.

Auf diese Weise wirken kulturelle Faktoren (zum Beispiel Erziehungsregeln, medial vermiitelte Ideologien bis hin zu ästhetischen Präferenzen) als Eckdaten regulierend (orientierend und begrenzend) bei der Aneignung eines Wertesystems.

Mit Schmidt (1994) lässt sich aus kommunikationstheoretischer Sicht Kultur**  als “Ausführungsprogramm für Sozialität auf der kognitiven, kommunikativen und sozialstruktuellen Ebene” (S. 243) verstehen, durch welches Wirklichkeitsmodelle als soziale Sinnsysteme angeboten und über normierende Mechanismen (Normen als sanktionierte Wertvostellungen) dynamisch reproduziert, kommuniziert, rezipert und produziert werden. Das heißt jedoch nicht, die Autonomie und Eigenaktivität des Indiviuums mit seiner personalen Identität zu vernachlässigen. Damit sind diejenigen Wertvorstellungen einer Person gemeint, die nicht Teil des “Ausführungsprogramms” sind, sondern möglicherweise trotzdem entstanden oder gegen dieses gerichtet sind. Vielmehr ist damit das gesamte Verhältnis des Person-Umwelt-Bezuges angesprochen.


* T. Meynhardt: Interkulturelle Differenzen im Selbstkonzept von Managern. ISBN: 3-8309-1182-3

** C. J.M. Beniers: Kultur. www.slideshare.net/beniers

Prof. C.J.M. Beniers

NL Zoetermeer

11-04-2010

© Copyright 2010

Über Professor C.J.M. Beniers

Prof. C.J.M. Beniers ist ein bekannter Fachmann auf dem Gebiet von modernen und internationalen Kommunikationstechniken und Entwickler vom Sechs-Komponenten-Modell. Damit können Firmen, Institutionen und Politiker mit Gesprächspartnern aus aller Welt erfolgreich kommunizieren und verhandeln. Seine Karriere begann als internationaler Manager bei Philips N.V. Später promovierte er als Professor und hat mittlerweile mehr als 35 Jahre Erfahrung als Manager und Management Trainer. Dadurch kennt er beide Seiten, die Theorie und die Praxis, sehr genau. Als Kommunikationsexperte veranstaltet er wissenschaftliche Forschungen im interkulturellen Bereich. Die interessanten Ergebnisse  dieser Forschungen sind in seinen E-Büchern nachzulesen, wie z.B. “Bridging The Cultural Gap”. Hier lernen moderne Manager sich erfolgreich auf Geschäfte mit Leuten aus Fremdkulturen vorzubereiten. Unter anderem werden aktuelle Themen wie Verhandlungen in Krisenzeiten, interkulturelle Barrieren, landesspezifische Kommunikationstechniken, persönliche kulturbedingte Wertesysteme und Missverständnisse behandelt und plausibel erklärt.

Kontakt:

Prof. C.J.M. Beniers

Amaliaplaats 2
2713 BJ Zoetermeer
Die Niederlande

Tel.: +31 (0) 79 – 3 19  03 81
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Email: info@beniers-consultancy.com

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